Warum sich Blended Learning für Sie lohnt

Qualifikationen werden auch in Zukunft ein wichtiger Baustein einer leistungsstarken Gesellschaft sein. Lernen ist und bleibt eine wichtige Schlüsselqualifikation. Das ist eine bekannte Tatsache. Wegen der rasanten Entwicklung in vielen Bereichen reicht es nicht mehr aus, sich einmal das notwendige Wissen anzueignen, um dann Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte davon profitieren zu können. Ständig neue Veränderungen zwingen uns zu stetig neuem Lernen.

!Deshalb ist die Fähigkeit, sich einfach und schnell neues Wissen anzueignen und die eigenen Erfahrungen zu reflektieren, eine der wesentlichen Erfolgsfaktoren für den Einzelnen, insgesamt aber auch für die Gesellschaft. Die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen muss deshalb aufgebaut und gefördert werden.

Voraussetzung ist, dass es genügend Qualifizierungsmöglichkeiten gibt, dass die richtigen Qualifizierungen angeboten werden und natürlich dass diese Qualifizierungen ein effektives und nachhaltiges Lernen unterstützen.

Über das Lernen ist schon viel geforscht und geschrieben worden. Nach 150 Jahren Forschung wissen wir viel über Lerntheorien, Lernprinzipien, Lernformen und Lernbesonderheiten bei Erwachsenen. Was aber nicht heißt, dass dies Wissen in unseren Schulen, Universitäten, Volkshochschulen, in der Aus- und Weiterbildung auf breiter Basis Einzug gehalten hätte.

Lerneinbußen bei traditioneller Schulungen

Wie effektiv die verschiedenen Formen von Qualifikationen sind und welche Methoden in der Praxis die größten Lerneffekte erzielen, das sind Fragen, die trotz der vielen tausend Schulungen, die jährlich überall in der Welt durchgeführt werden, wohl niemand exakt beantworten kann.

Traditionelle Vermittlungsformen wie Vortrag oder Seminar haben deutliche Nachteile:

Dies ist meist dann der Fall, wenn man diese Formen aus der Perspektive des Lernprozesses und anschließend aus der Perspektive des Lernerfolgs betrachtet:

  • Der Erfolg der Schulung wird in sehr hohem Maße durch den Trainer bestimmt. Ein Fachexperte, der die Teilnehmer mit stundenlangen Vorträgen überfordert, nützt genau so wenig wie ein ausgezeichneter Pädagoge, der keine fachlichen Fragen beantworten kann.
  • Die Lerngruppe entscheidet nicht selbst, wann und wie viel sie lernen will. Jeder Schulungstag hat ein mehr oder weniger festes Programm, das von der Lerngruppe absolviert werden muss – unabhängig davon, ob sie gerade aufnahmebereit sind oder nicht.
  • Die Situation in Schulungen kann unangenehme Erinnerungen an die Schulzeit wecken. So kann zum Beispiel ein direktes Nachfragen des Trainers zu Stress führen, der Lernblockaden beim Teilnehmer erzeugt. Häufig finden sich bei Teilnehmern auch Ängste, bei Fehlern oder „dummen Fragen“ von den anderen Teilnehmern ausgelacht zu werden.
  • Die Inhalte einer Schulung lassen sich nur sehr eingeschränkt individualisieren. Oft sind Lerngruppen sehr heterogen. Das kann dazu führen, dass ein Teilnehmer in der Schulung völlig überfordert ist, ein anderer Teilnehmer das Seminar als langweilig empfindet. Selbst bei gleichen Voraussetzungen der Teilnehmer treten über kurz oder lang Schwierigkeiten auf, da das Lerntempo häufig sehr unterschiedlich ist.
  • Häufig beginnt das eigentliche Lernen erst nach dem Seminar am Arbeitsplatz. Was in der Schulung in einer künstlichen Lernumgebung noch problemlos funktionierte, bereitet in der täglichen Praxis oft große Schwierigkeiten: die Umsetzung des Gelernten in den Arbeitsalltag gelingt nur mühsam oder unter Umständen gar nicht.

Unsere Untersuchungen zeigen bei Fachschulungen, dass die Lerneffekte höher sein könnten:

Umfrage: Behaltensleistung, eine Woche nach der Schulung

Die Grafik zeigt die Ergebnisse von Lernzielkontrollen bei 46 Teilnehmern, eine Woche nach der Schulung durchgeführt. Maximal 37 Prozent der Aufgaben wurden richtig gelöst.

Auch bei verhaltensorientierten Schulungen sind mit Lerneinbußen zu rechnen, vor allem dann, wenn die Schulungen zu kurz sind, um ein systematisches Üben zu ermöglichen:

Umfrage Transferleistung nach einer Präsentationsschulung

Die Grafik zeigt, wie viel Prozent der insgesamt 75 Teilnehmer nach einer Präsentationsschulung tatsächlich professioneller sich und ein Thema präsentieren konnten.

Auch zu den Fragen, wie gut das Lernen in Schulungen gelingt und wie viel die Teilnehmer im Alltag umsetzen können, liegen eher enttäuschende Ergebnisse vor:

Ergebnisse Umsetzung in den Alltag

So geben 43 Prozent ehemaliger Teilnehmer an Seminaren an, wenig oder gar nichts im Alltag umgesetzt zu haben.

Die Gründe liegen schlicht in den fehlenden Möglichkeiten, den Unterricht auf die individuellen Bedürfnisse abzustellen:

Ergebnisse Zuschneiden des Unterrichts auf die Bedürfnisse der Teilnehmer

So klagen denn auch 49 Prozent aller Teilnehmer, mit Lernproblemen zu kämpfen.

!Diese Ergebnisse machen deutlich, dass der Lernprozess in traditionellen Schulungen nicht so gut unterstützt wird, wie dies wünschenswert und auch zu erwarten wäre.

 

Wie kommen solche ernüchternden Ergebnisse zustande?

Der Grund dürfte in der fehlenden Berücksichtigung zentraler Lernprinzipien und damit Unterrichtsprinzipien liegen:

Jahrhundertelang ist die Vermittlung von Wissen in Form von Vorträgen, Anleitungen und Belehrungen vermittelt worden. Die Lernenden an solchen Vermittlungsduschen kann man kaum als solche bezeichnen. Immer noch finden sich in der Ausbildung Formen solcher Vermittlungen, bei jeder Form von Frontalunterricht nach dem Trichterprinzip, etwa bei Vorlesungen und auch bei manchen Ausbildungsgängen.

Die Klagen über unzureichende Schulungen sind nicht neu und auch empirische Belege sind genügend vorhanden. Wenn aber solche negativen Ergebnisse zur Effizienz und auch die Lernförderer bekannt sind, warum gelingt es anscheinend nicht, die Qualität von Schulungen zu verbessern?

Es gibt zwei Antworten auf diese Frage. Die eine betrifft die Dozenten, die andere die Teilnehmer:

  • Viele Dozenten gehen bei der Planung ihrer Schulungen von den eigenen Erfahrungen als Teilnehmer aus. In den meisten Fällen haben Sie aber Varianten eines Unterrichts erlebt, der vortragsgesteuert, stofflastig, prüfungsorientiert und spaßfrei war. Sie versuchen sich zwar methodisch weiterzuentwickeln, scheitern aber oft an den eigenen Ansprüchen und an den Rahmenbedingungen. Vor allem aber: Sie haben zu wenige Erfahrungen mit lern- und teilnehmerzentrierten Methoden.
  • Auch von Seiten der Teilnehmer gibt es Hemmnisse. Teilnehmer wünschen sich vielfach einen Unterricht, der die Stoffvermittlung in den Mittelpunkt stellt. Sie gehen davon aus, dass solch in Unterricht für sie den größten Lernerfolg mit sich bringt. Untersuchungen weisen allerdings genau in die entgegengesetzte Richtung. Die Zufriedenheit der Teilnehmer ist meist hoch, der Lernerfolg und auch der Transfererfolg leiden unter dieser Methodik.

E-Learning als Alternative

Die verschiedenen Formen des Selbstlernens sind sicherlich eine interessante Alternative zu traditionellen Schulungen, denn sie können viele Nachteile solcher Schulungen wett machen. Allerdings gibt es auch beim Selbstlernen, insbesondere beim E-Learning lernfördernde und lernhemmende Bedingungen. Häufige Hemmnisse sind die Qualität der Lernmedien und die Passung des Lernarrangements.

Auch bei den Qualifizierungskonzepten gilt: Nicht alles, was machbar ist, ist auch sinnvoll. Die Motivation und in der Folge der Lernerfolg können leicht auf der Strecke bleiben, wenn E-Learning so abläuft, wie es sich leider immer wieder in der Praxis findet:

  1. Die Teilnehmererhalten einen Lerntext über E-Mail zugesandt oder können ihn von einer Lernplattform abrufen.
  2. Nach einigen Tagen bekommen sie von ihrem Tutor Kontrollfragen zugesandt, die sie beantworten und zurückschicken sollen.
  3. Zu festgelegten Zeiten können sie zusätzlich mit anderen Teilnehmern und ihrem Tutor chatten.

Bei diesem Verfahren spart man sicherlich Wege und auch Geld. Gleichzeitig ist es aber auch schon nahezu eine Garantie, dass nur bei wenigen Teilnehmern am Ende der gewünschte Lernerfolg steht.

Didaktisch gesehen

  • erreicht man durch reines Durchlesen am Bildschirm keine nennenswerten Behaltensleistungen,
  • fehlen solchen „Lernangeboten“ Möglichkeiten, sich aktiv mit dem Lernstoff auseinander zu setzen und Problemlösestrategien zu erproben und
  • „messen“ isolierte Kontrollen häufig die Gedächtnisleistung für Faktenwissen, nicht die Fähigkeit, Gelerntes umzusetzen und zu beurteilen. Reines Faktenwissen hilft aber in vielen Fällen überhaupt nicht weiter.

!Beim Selbstlernen allgemein und bei E-Learning im Besonderen ist eher mit (erkennbaren) Problemen zu rechnen als in Seminaren. Der Grund liegt auch darin, dass die Vorteile des Selbstlernens, Individualisierung und Flexibilisierung, oder anders ausgedrückt: Lernen, wann, was und wo man will, gleichzeitig auch die Nachteile dieser Methode sind:

  • Wenn man selbstständig lernt, lernt man meist alleine. Kommunikation ist aber für die Motivation zum Lernen und für den Lernerfolg wichtig.
  • Wenn man sich die Lernzeit selbst aussuchen kann, bekommt dies auch eine Art Beliebigkeit. Andere Dinge sind dann doch dringender oder auch wichtiger, das Lernen wird immer wieder hinten angestellt. Der Lernrahmen wie in einem Seminar fehlt.

Auch von Seiten des Lernenden finden sich auch hier spezifische Begrenzungen. So hängt er Erfolg des Lernprozesses wesentlich von der Motivation des Lernenden ab. Sie sind beim Selbstlernen oft der ausschlaggebende Faktor bei Lernabbrüchen. Die Motivation in Präsenzschulungen muss nicht höher sein, aber die Möglichkeiten, sie zu steuern und schließlich trägt der organisatorische Lernrahmen dazu bei, dass Abbrüche selten sind. Auch hier lässt sich aber wieder mit Blick auf Seminare als Lern- weg sagen: Mangelnde Motivation findet sich bei Teilnehmern auch in vielen Seminaren, aber eben wieder nicht so offensichtlich. Hier spielt ebenfalls wieder die Gewohnheit eine große Rolle – zum Seminar geht man eben und sitzt im Zweifelsfall die Seminarzeit eben ab.

Beim E-Learning stellt sich dagegen sehr viel schneller die Frage: „Muss ich das denn unbedingt machen?“

In Zusammenhang mit der Motivation steht auch die Frage der Akzeptanz:

Ergebnisse Untersuchung Akzeptanz Selbstlernen

Nicht einmal die Hälfte aller Befragten einer großangelegten eigenen Untersuchung sind bereit, sich Lernstoff über Selbststudium anzueignen.

Befragungen zeigen, dass Teilnehmer von E-Learning Maßnahmen zufriedener sind, wenn sie

  • sich mit den anderen Teilnehmern austauschen  konnten,
  • ein Tutor ihren Lernfortschritt kontrolliert und
  • generell von einem Tutor begleitet wurden.

Diese Forderung lässt sich belegen. In einer Untersuchung wurde der Frage nachgegangen:

Unter welchen Bedingungen sind die Teilnehmer bereits, alternative Lernwege zu akzeptieren?

Ergebnisse Alternative Lernwege nutzen

44,6 Prozent wünschen sich eine Lernbetreuung als Bedingung, um alternative Lernwege zu nutzen, 36,1 Prozent wünschen sich, dass die Selbstlernphasen mit Präsenzphasen gekoppelt werden.

Diese Ergebnisse werfen viele Fragen auf, die Fernkurse als Selbstlernweg betreffen:

  • Wie kann eine Beratung am Anfang des Lernprozesses erfolgen?
  • Wie kann eine fachkundige Begleitung während des Lernprozesses sichergestellt werden?
  • Wie lassen sich Selbstlernphasen und Präsenzphasen sinnvoll miteinander verzahnen?
  • Welche Funktionen sollen dabei die Präsenzphasen übernehmen?
  • Welche Alternativen gibt es, falls Präsenzphasen nicht vorgesehen sind?

Eine gute Betreuung scheint damit ein entscheidender Faktor für die Erfolgssicherung zu sein. Dabei kommt es auf das richtige Maß an: Es macht ebenso wenig Sinn, den Teilnehmer „in Ruhe lernen zu lassen“, als ihn einer permanenten Betreuung zu unterziehen.

!Deshalb kann es hier auch keine Betreuung nach dem Einheitsprinzip geben. Wie und in welchem Umfang ein Teilnehmer betreut sein will und betreut werden muss, hängt wieder von dem Bedarf und den Bedürfnissen des Einzelnen ab. Jeder Teilnehmer braucht ein individuelles Lernarrangement. Es richtet sich vor allem nach

  1. der Selbstständigkeit des Lernenden
  2. seiner Motivation
  3. seine Lerngewohnheiten.

Die mangelnde Kommunikation mit dem Betreuer, aber auch mit anderen Teilnehmern wird oft beim Selbstlernen bemängelt. Doch auch in Ergänzung zum Selbstlernen gibt es verschiedene Möglichkeiten des Austausches.

Es kommt auf die Betreuung an:

Um bei Lernhemmnissen, abnehmender Motivation und drohenden Abbrüchen rechtzeitig gegensteuern zu können, sollte erstens ein Betreuer vorhanden sein, zweitens dieser Betreuer mit den einzelnen Teilnehmern im Dialog bleiben. Was hilft, sind Kontrollpunkte. Die Teilnehmer dokumentieren an einzelnen Abschnitten des Lernprozesses, dass sie den Meilenstein erreicht haben. In Frage kommen etwa:

  • Lernkontrollen
  • Übungsaufgaben
  • Umsetzungspläne
  •  Treffen mit der Lerngruppe

Grundsätzlich lassen sich zwei Möglichkeiten des persönlichen Austausches unterscheiden: die persönlichen Kontakte und die Nutzung technischer Möglichkeiten.

Die Idee Lernende zusammenbringen über Technik hat sicherlich ihren Reiz. Die Erfahrung zeigt aber, dass technische Lösungen meist nur dann eine gute Resonanz finden, wenn sich die Teilnehmer bereits kennen, einen guten Kontakt aufgebaut haben und sich etwas mitteilen wollen – wobei die Betonung auf wollen liegt.

Ausgefeilte technische Möglichkeiten sind kein Garant für intensive Nutzung, eher im Gegenteil. Ein Schwerpunkt auf einen direkten Austausch, ergänzend noch wenige einfache Formen der technischen Kommunikation wie Foren, dürfte in vielen Fällen die beste Möglichkeit sein.

Bei einer ausreichend großen Teilnehmerzahl kann auch eine gegenseitige Unterstützung der Teilnehmer erfolgen:

  • Lern- und Erfahrungsgruppen: Eine Gruppe arbeitet und lernt zusammen.
  • Lernpartnerschaften: Zwei Teilnehmer, die sich austauschen und gegenseitig unterstützen. Das Tandem sollte sich aber nicht von Ihnen zusammengestellt werden, sondern sich immer auf freiwilliger Basis bilden. Lernpartnerschaften werden auch als Lerntandems bezeichnet.
  • Unterstützungssysteme: Unterstützungssysteme sind eine Variante der Lernpartnerschaft. Ein Pate, ein Mentor kann einen Lernenden bei seinen Bemühungen unterstützen. Sinn macht dies eher bei umfangreichen Ausbildungen, die Monate und Jahre in Anspruch nehmen.

Solche Unterstützungsformen müssen initiiert und teilweise auch betreut werden. In jedem Fall muss das Konzept bereits in der Einführungsveranstaltung abgesprochen werden.

Bei der Zusammenstellung von Lerngruppen sind folgende Prinzipien zu beachten:

  • Teilnehmer, die sich kennen und verstehen, erreichen schneller gute Arbeitsergebnisse.
  • Hierarchieunterschiede in einer Lerngruppe (Vorgesetzte – Mitarbeiter) können zu Schwierigkeiten führen, können aber auch das Arbeitsklima positiv beeinflussen. Entscheidend ist, wie gut das Team im Alltag zusammen arbeitet.
  • Teilnehmer mit ähnlichen Aufgaben und ähnlichen Problemen können sich häufig gegenseitig besser verstehen und unterstützen.

Auch Lernpartnerschaften können online organisiert werden. Allerdings dürften ein persönlicher Aus- tausch und der Kontakt vor Ort auf eine bessere Akzeptanz stoßen. Eine interessante Ergänzung bieten die vielfältigen Möglichkeiten der Information und Kommunikation, die das Internet bietet.

Durch die Technik können Sie den Kontakt zwischen einzelnen Teilnehmern und Betreuer verbessern, aber auch den Austausch zwischen den Teilnehmern selbst unterstützen. Bei einigen Bereichen ist sie auch unverzichtbar – zum Beispiel, wenn die Teilnehmer bei Online-Seminaren gemeinsam Aufgaben bearbeiten sollen, etwa Fallbeispiele oder Gruppenreferate.

!Online-Kommunikation setzt allerdings eine Medienkompetenz voraus. Der Teilnehmer muss nicht nur entsprechenden Funktionen der Lernplattform oder des Forums nutzen können, sondern sich zum Beispiel auch selbst aktiv in eine Diskussion einschalten. Diese Medienkompetenz können Sie nicht bei allen Teilnehmern voraussetzen. Teilweise muss sie parallel zur Qualifizierung erworben werden.

Blended Learning als Basis

Wenn man die fünf hauptsächlichen Lernförderer betrachtet, wird deutlich, dass eine Kombination  von Selbststudium und Präsenzphasen eine gute Alternative ist. Hier können beide Lernformen ihre Vorteile ausspielen. Die Wissensvermittlung, die im Unterricht schnell zu langweiligen Vortragsphasen ausarten, die weder den individuellen Vorkenntnissen, noch den Erwartungen, noch dem unterschiedlichen Lerntempo gerecht werden, kann ausgelagert werden. Mögliche Motivationsprobleme beim Selbstlernen können nivelliert werden, wenn sie als Vorbereitung auf Praxisübungen in den zugehörigen Workshops verstanden werden.

Präsenzphasen sind gut geeignet für gemeinsame Erarbeitung von Praxishilfen, für Praxissimulationen und das die Besprechung von Praxisfällen. Dafür sollten wir genügend Zeit vorsehen und in der Folge Theorieteile aus den Präsenzphasen verbannen und in Selbstlernphasen einbringen. Denn damit lässt sich die Wissensvermittlung individualisieren und effektivieren.

Hinzu kommen sollte, dass stärker auf die Lernvoraussetzungen und Lernbedürfnisse der Teilnehmer eingegangen wird. Als Folge sollten Qualifizierungen immer dreiphasig geplant werden: Erst erfolgt eine Bedarfsanalyse, inklusive Motivation, Diagnose und Beratung, dann erfolgt die Lernphase, möglichst mit variablen Lernwegen, einer guten Begleitung und der Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen. Die dritte Phase ist der Transfer, mit der Umsetzung des Gelernten im Alltag und einer Reflexion der Umsetzungsstrategien, Umsetzungserfolge und Umsetzungshemmnisse.

Mit Blick auf Schulungen bedeutet dies, sie entweder mit Präsenzphasen anzureichern, wie dies häufig schon geschieht, oder die vielfältigen Möglichkeiten zu nutzen, die die Online-Kommunikation bereitstellt. Allerdings sollt man hier des Guten nicht zu viel tun. Wenige, wirksame Instrumente auszuwählen, gut von den Teilnehmern angenommen, die den Austausch merklich fördern und so zu einer Verbesserung der Lerneffizienz beitragen, das ist das Ziel.

Worauf Sie bei Blended Learning achten sollten

Die Erfahrungen mit Qualifizierungen mittels E-Learning und Blended Learning lassen die Stellschrauben erkennen, die zur Akzeptanz beitragen und Lernprozesse unterstützen. Die wichtigsten sind:

  1. Nicht jeder Mitarbeiter möchte sich Wissen im Selbststudium aneignen und für manche ist das nicht der beste Lernweg. Deshalb sollte vor Qualifizierungsmaßnahmen die Lernmotivation und die Selbstlernkompetenz überprüft werden.
  2. Einige Themen müssen vermittelt werden, oft an alle Mitarbeiter eines Unternehmens. Was dann meist einen hohen Schulungsaufwand bedeutet. Über Selbstlernen kann der Aufwand reduziert werden. Das bedeutet, möglichst dies Angebot zum E-Learning als Alternative neben Präsenzschulungen stellen. Der Nachweis eines erfolgreichen Abschlusses erfolgt vorzugsweise über computergestützte Lernkontrollen.
  3. Es gibt Kenntnisse, die Mitarbeiter erwerben müssen, um ihre Arbeit machen zu können. Da hier (meist) eine hohe Motivation vorauszusetzen ist, kann gut mit Selbstlernen gearbeitet werden. Umfängliche Basisqualifikationen erfordern lange Standzeiten in Seminaren. Um dies zu vermeiden, können Selbstlernphasen integriert werden. Damit wird gleichzeitig dem individuellen Lerntempo Rechnung getragen. Alle Qualifizierungen von einer Woche und länger sollten deshalb auf den Prüfstand gestellt werden.
  4. Die Technik muss so abgesichert sein, dass die Teilnehmer keinerlei Schwierigkeiten damit haben. Sie sollten mit den Programmen intuitiv arbeiten können.
  5. Ein Hauptvorteil von Seminaren ist, dass die Teilnehmer sich kennen und (meist auch) schätzen lernen. Dadurch entsteht ein gutes Lernklima. Dies kann und sollte auch bei Blended Learning gefördert werden. Deshalb sollte man eine Einführungsveranstaltung anbieten und begleitende virtuelle Treffen einplanen.
  6. Durch die festen Zeiten in Seminaren ist per se eine hohe Verbindlichkeit geschaffen. Diese Verbindlichkeit ist beim Selbstlernen zu erreichen über regelmäßige, feste Termine für den Abschluss von Lernphasen, Kontrolle dieser Termine und Beratung bei Nicht-Einhalten von Terminen.
  7. Teilnehmer benötigen ein Feedback zu ihren Leistungen und möglichst regelmäßige Erfolgserlebnisse. Das bedeutet wieder Lernkontrollen vorzusehen, möglichst ermutigendes Feedback zu geben und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen
  8. Ein häufig genannter Vorteil von Selbstlernen ist die freie Wahl der Lernzeit und des Lernortes. Diese Vorteile stellen aber gleichzeitig Nachteile dar. Das Lernen gerät in Konkurrenz zu vielen anderen Dinge, die gerade anstehen. Deshalb sollte man Verbindlichkeit schaffen und das gemeinsame Lernen fördern.
  9. Immer wenn es um reine Wissensvermittlung geht, ist das Seminar nicht die beste Form der Vermittlung, allein schon wegen der heterogenen Vorkenntnisse und in der Folge wegen Über- und Unterforderung der Teilnehmer. Deshalb sollte man Wissen bevorzugt in Selbstlernphasen vermitteln, Präsenzphasen für Erarbeitung von Lösungen und zum Erfahrungsaustausch nut- zen.
  10. Es gibt nicht nur Seminare und es gibt als Alternative nicht nur E-Learning. Und es gibt immer nur eine Kombination von Lernwegen, die für eine bestimmte Bedarfssituation am besten geeignet ist. Alternativen können zum Beispiel Printmedien (Selbstlernhefte/Fernstudienkurse), Moocs und Mobile learning sein.
  11. Überschaubare Lerneinheiten fördern die Flexibilisierung des Lernens, ermöglichen mehr Lernerfolge und eine bessere Kontrolle des Lernerfolgs. Deshalb gilt es, den Lernstoff in über schaubare Lerneinheiten zu gliedern und eine gezielte Auswahl passender Lerneinheiten zu ermöglichen.
  12. Wer einmal gute Erfahrungen mit Selbstlernen gemacht hat, wird gerne bereit sein, diesen Lernweg auch weiterhin zu nutzen. Das Gegenteil trifft natürlich genauso zu. Deshalb sollte man auf einen einfachen Einstieg achten, auf positive Erfahrungen und Stolpersteine aus dem Weg räumen.
  13. Lernen muss attraktiv sein, die Motivation darf nicht auf der Strecke bleiben. Legen Sie Wert auf attraktive Medien möglichst mit Spielcharakter oderWettbewerbscharakter.
  14. Das Internet bietet viele Möglichkeiten der Kommunikation und des kollaborativen Lernens. Beides ist für den Lernprozess bedeutsam und sollte deshalb Berücksichtigung finden.
  15. Eine gute Betreuung ist aufwändig, aber auch ein wichtiger Erfolgsfaktor. Dabei sollte die Betreuung individuell den Bedürfnissen der einzelnen Teilnehmer angepasst sein.

Wir haben langjährige Erfahrungen mit Seminaren. In Zukunft werden wir noch genauer analysieren müssen, welche Kombination von Lernwege tatsächlich ein effektives und nachhaltiges Lernen unterstützen, Erfahrungen sammeln und diese Erfahrungen systematisch auswerten.

EINES STEHT ABER JETZT SCHON FEST: Es gibt nicht den Lernweg, sondern es gibt nur immer die beste Möglichkeit für einzelne Personen, effektiv zu lernen. Das ist die Prämisse und sie sollte für alle Qualifizierungen gelten.

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