Aus der Forschung: Lernen sollte möglichst schwierig sein

Wie lange liegt Ihre Schulzeit zurück? 20, 30 oder sogar 40 Jahre? Trotzdem erinnern Sie sich bestimmt noch an die eine oder andere Prüfungssituation. Wissen Sie auch noch, wie Sie sich damals darauf vorbereitet haben? Haben Sie wichtige Textstellen markiert? Oder den Stoff auf Karteikarten geschrieben?

Durchbruch in der Forschung: Lernen sollte möglichst schwer sein. Dann ist die Behaltensleistung hoch und der Praxistransfer besonders ausgeprägt.

Viel ist auf diesem Gebiet geforscht worden. Das Ergebnis: So manche Lernmethode hat sich bei näherem Hinsehen als „stumpfes Schwert“ erwiesen. Untersuchungen zeigen, dass die beliebtesten Lernstrategien nicht immer die besten sind. Wir haben uns zahlreiche Studien für Sie angesehen, um Ihnen wissenschaftlich fundierte Alternativstrategien für die Weiterbildung an die Hand zu geben.

5 Lernstrategien, die Sie für sich und die berufliche Bildung Ihrer Mitarbeiter sofort nutzen können

1. Lerndauer ausdehnen, Lernprozess aufstückeln

Vielleicht kennen Sie auch das noch aus Ihrer Jugend: Am Abend vor einer wichtigen Prüfung haben Sie sich den Lernstoff wieder und wieder angesehen. Tags darauf konnten Sie das eine oder andere abrufen. Spätestens nach einer Woche war der Stoff jedoch so gut wie vergessen. Kein Wunder: Mittlerweile weiß man, dass der Lerneffekt bei diesem Vorgehen langfristig gleich null ist. Sogenanntes „massed studying“ bringt nur kurzzeitig gute Ergebnisse, z. B. bei einer Prüfung.1

Was viel besser hilft: Den Lernprozess zeitlich ausdehnen und in kleine Einheiten aufstückeln. Zwar fühlt es sich dann oft so an, als fange man immer wieder von vorne an und mache keine Fortschritte, doch der Aufwand wird durch eine bessere und längere Behaltensleistung belohnt.

2. Neues Wissen in eigene Worte fassen und verknüpfen

„Mir raucht der Kopf!“ und „Mein Kopf platzt!“ sind Floskeln, die man von Lernenden häufig hört. Verständlich! Denn wer versucht, Dinge auswendigzulernen, kommt schnell an seine Grenzen. Es gibt jedoch einen Lernweg, bei dem die Lernenden längst nicht so leicht ermüden: Wenn neues Wissen mit vorhandenem Wissen und Erfahrungen verknüpft und verbunden wird.2 Je mehr Verknüpfungen und Assoziationen gebildet werden, desto länger bleibt das neue Wissen im Langzeitgedächtnis verankert und umso wahrscheinlicher kann es in neuen Situationen angewandt werden.

In der Fort- und Weiterbildung kann man sich dieses Prinzip leicht zunutze machen: Wo immer Lernen stattfindet, etwa in Seminaren und Schulungen, sollten der Erfahrungsaustausch, die Simulation und die Analyse von Praxisfällen im Vordergrund stehen. Lernunterlagen wie Lernskripte oder E-Learning sollten sowohl mit Reflexionsaufgaben als auch Umsetzungshilfen angereichert werden.

3. Den Lernstoff immerzu überprüfen und abfragen

Dennoch zeigen Studien, dass Auswendiglernen, etwa in Verbindung mit Multiple-Choice und Freitext-Aufgaben, anderen Lernformen überlegen ist. So wurde zum Beispiel der Lernstoff einer Schulklasse an der Columbia Middle School über den Zeitraum von eineinhalb Jahren durch kleine Quizze und Tests regelmäßig überprüft. Das Ergebnis: Bei Unterrichtsthemen, zu denen die Schüler Übungsaufgaben über sich ergehen lassen mussten, lag der Notendurchschnitt am Halbjahresende jeweils eine ganze Note höher.3

Kurz gesagt: Einfaches Durchlesen des Lernstoffs bringt längst nicht so gute Ergebnisse wie häufige Tests und Quizze. Am besten lernt man, wenn man den Stoff immer wieder aktiv aus dem Kopf hervorholt. Der Fachbegriff dafür lautet „practicing retrieval“.

4. Möglichst viele verschiedene Lernwege nutzen

Seinen bevorzugten Lernweg zu kennen und ihn exklusiv zu nutzen, um bessere Lernergebnisse zu erzielen, ist eine weitere These, die in wissenschaftlichen Studien nicht bestätigt werden konnte.4 Stattdessen sollten alle möglichen verfügbaren Medien und Wege genutzt werden. Denn wer sich dem Lernstoff auf vielfältige Weise nähert, ist später eher in der Lage, auf ungewöhnliche Fragen die richtige Antwort zu finden – da ist sich die Wissenschaft einig.

Was bedeutet das für die Weiterbildung? Dass man Lernenden den Lernstoff am besten auf unterschiedlich Weise zur Verfügung stellt – als WBT, Lernskript, Video, Infografik und Merkblatt.

5. Den Lernenden auch mal leiden lassen

Haben Sie schon mal versucht, mit drei Bällen zu jonglieren? Einrad zu fahren? Oder mit zehn Fingern zu tippen? Diese Kunststücke kann im Prinzip jeder lernen. Es ist allein eine Frage des Engagements und Aufwands. Es dauert eben, bis sich die ersten Erfolge einstellen. Rückschläge sind dabei normal.

Warum sollte es mit der beruflichen Bildung anders sein? Das eigene Kommunikations- oder Führungsverhalten, die eigene Arbeitsorganisation oder Stressresilienz verändert man nicht mit einer Lektüre oder per Fingerzeig. Trotzdem ist der Gedanke weit verbreitet, man müsse es dem Lernenden nur möglichst einfach machen. Dabei sagt die Wissenschaft genau das Gegenteil: Wenn das Lernen schwer fällt, ist der Lernprozess intensiver und hält länger nach.5

Was heißt das für die berufliche Bildung? Dass man nicht alles in kurzen, knappen Seminaren oder mit schnell und lieblos zusammengeschustertem E-Learning vermitteln kann. Wer Mitarbeiter langfristig fort- und weiterbilden möchte, braucht ein gutes Weiterbildungskonzept, das auf den spezifischen Qualifizierungsbedarf zugeschnitten ist. Und nicht zuletzt sind immer auch Ihre Mitarbeiter selbst gefordert.

Falsche Lerntechniken haben schon zu lange Tradition

Vieles, was in der Fort- und Weiterbildung für bare Münze genommen wird, hat sich in Studien und Untersuchungen als vergebene Liebesmüh herausgestellt. Lerninhalte, die lediglich immerzu angeschaut werden, bleiben kaum hängen. Tests und Prüfungen finden bei den Teilnehmern kaum Zuspruch, sind für deren Bildung jedoch von großer Bedeutung. Diese Liste lässt sich beliebig weiterführen.

Also was tun? Wir, die TRANSFER GmbH, legen ein besonderes Augenmerk auf den Transfererfolg. In unseren Seminaren und Workshops stehen die Umsetzung des Gelernten in die Praxis im Vordergrund. Mithilfe unserer Lernsysteme 5-Minuten-Caoch und Check&Learn können wir Teilnehmer über die Schulung hinaus begleiten. Zudem haben unsere schriftlichen Lernmedien und Lernprogramme einen Übungsanteil von weit über 30 %.

Literatur

1 Spacing as the Friend of Both Memory and Induction in Young and Older Adults, Nate Kornell et al., Psychology And Aging, Vol. 25, No. 2 498–503, 2010

2 Cue dependant forgetting, E. Tulving, Merican Scientist 62, 74–82, 1974

3 Both Multiple-Choice and Short-Answer Quizzes Enhance Later Exam Performance in Middle and High School Classes, K.B. Mc Dermott et al., Washington University in St. Louis, 2011

4 Learning Styles, Harold Pashler et al., Psychological Science in the Public Interest, Vol 9, Issue 3, pp. 105 – 119, 2009

5 Make it stick – The Science of Successful Learning, P.C. Brown et al., pp. 67–101, Belknap Press, 2014

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